Zusammenschluss geplant...

Zusammenschluss im Visier: Die Servicebetriebe Neuwied und die Stadtwerke Bendorf streben eine Bündelung ihrer Kräfte an. Verläuft alles nach Plan, soll zum 1. Januar 2027 mit den neuen „sbn“ ein leistungsstarker kommunaler Betrieb mit über 230 Mitarbeitern entstehen.

Servicebetriebe Neuwied und Stadtwerke Bendorf bündeln Dienste für zwei Städte unter einem Dach.

Mehr Wirtschaftlichkeit statt Doppelstrukturen

Die Servicebetriebe Neuwied und die Stadtwerke Bendorf planen zum 1. Januar 2027 den Zusammenschluss zu den „sbn - Servicebetriebe Bendorf Neuwied". Mit über 230 Beschäftigten würde ein leistungsstarker kommunaler Betrieb  als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) entstehen, der für beide Städte wichtige öffentliche Dienstleistungen erbringt. 

Was auf den ersten Blick nur nach einer strategischen Entscheidung klingt, ist bei genauerer Betrachtung eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Beide Betriebe unterhalten derzeit parallel komplette Infrastrukturen:

    • Personalverwaltung
    • IT-Systeme
    • Rechnungswesen
    • Fuhr- und Gerätepark
    • Materialbeschaffung

    Diese Doppelstrukturen sind heute zunehmend unwirtschaftlich und birgt die Gefahr, dass die Gebühren explodieren.


    Die treibenden Faktoren 

    Stefan Herschbach, Vorstand der Servicebetriebe Neuwied, bringt es auf den Punkt: „Es wird zunehmend unwirtschaftlicher, diese Strukturen doppelt vorzuhalten. Wir sehen deutliche Vorteile darin, unsere Leistungen zu bündeln, zumal wir in unmittelbarer Nachbarschaft agieren."

    Die Herausforderungen, die kommunale Dienstleister bewältigen müssen, haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft:

    Begrenzte Budgets: Kommunale Haushalte stehen unter Druck. Effizienzgewinne sind nicht mehr optional, sondern notwendig.

    Fachkräftemangel: Qualifiziertes Personal zu finden und zu halten, wird immer schwieriger. Ein größerer Betrieb kann attraktivere Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

    Steigende Anforderungen: Nachhaltigkeit, Digitalisierung, gesetzliche Vorgaben sind  Anforderungen an kommunale Betriebe und nehmen kontinuierlich zu.

    Saisonale Flexibilität: Ein gemeinsamer Personalpool ermöglicht flexiblere Einsätze.

    Auch Peter Schneider, Erster Beigeordneter der Stadt Bendorf, macht die Dringlichkeit deutlich: „Im Rahmen der Wirtschaftsplanung 2026 hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass die Wasser- und Abwassergebühren in Bendorf ab 2027 steigen müssen. Ohne den Zusammenschluss würden uns in den kommenden Jahren die Kosten unkontrolliert weglaufen, zumal die gesetzlichen Anforderungen deutlich steigen."

    Diese Aussage zeigt: Es geht nicht um abstrakte Effizienzgewinne, sondern um konkrete Auswirkungen auf die Gebührenzahler.


    Was die „Servicebetriebe Bendorf Neuwied" leisten sollen

    Das Aufgabenspektrum beider Betriebe weist erhebliche Überschneidungen auf:

    • Abwasserbeseitigung
    • Bauhof
    • Straßenunterhaltung und Winterdienst
    • Grün- und Friedhofspflege
    • Trinkwasserversorgung
    • Technische Dienstleistungen

    Diese Parallelität macht den Zusammenschluss besonders sinnvoll. Es geht nicht darum, unterschiedliche Welten zusammenzuführen, sondern ähnliche Strukturen zu konsolidieren.

    Ein praktisches Beispiel: Beide Betriebe unterhalten Fahrzeuge. Ein gemeinsamer Fuhrpark ermöglicht eine bessere Auslastung und reduziert die Gesamtkosten. Ähnliche Synergien lassen sich bei Spezialgeräten, Fachpersonal und Verwaltungsstrukturen heben.


    Rechtliche und steuerliche Hürden

    Eine interkommunale Kooperation dieser Größenordnung ist kein Selbstläufer. In den vergangenen Monaten wurden steuerliche, rechtliche und wirtschaftliche Fragen intensiv geprüft.

    Besonders wichtig: Die Umsatzsteuerbefreiung. Für beide Kommunen ist diese Voraussetzung für die „Servicebetriebe Bendorf Neuwied" entscheidend. Nach Einschätzung der Verantwortlichen wird diese erreicht. Das ist ein wichtiger Meilenstein.

    Die rechtliche Konstruktion als AöR bietet mehrere Vorteile:

    • Rechtliche Selbstständigkeit bei gleichzeitiger kommunaler Kontrolle
    • Klare Haftungsstrukturen
    • Flexibilität in der Betriebsführung
    • Wirtschaftliches Arbeiten

    Die Vorprüfungen haben ergeben, dass die rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die effiziente interkommunale Kooperation vorliegen. 


    Was noch zu klären ist

    Trotz der positiven Grundentscheidung bleiben Detailfragen zu klären. Beide Seiten haben sich auf intensive Workshops verständigt, um diese abzuarbeiten:

    IT-Integration: Unterschiedliche Systeme müssen zusammengeführt werden. Das betrifft nicht nur die technische Ebene, sondern auch Prozesse und Schnittstellen.

    Gebührenabrechnung: Wie werden künftig Gebühren berechnet und abgerechnet? Welche Systeme kommen zum Einsatz?

    Rechnungswesen: Die Harmonisierung der Buchhaltungssysteme ist komplex, aber notwendig.

    Finanzen: Budgetplanung, Investitionssteuerung, Controlling, all das muss auf die neue Struktur angepasst werden.

    Personal: Hier geht es um sensible Fragen: Arbeitsverträge, Standortzuordnungen, Führungsstrukturen.

    „Diese Themen sind nicht trivial. Aus meiner Erfahrung mit ähnlichen Projekten weiß ich: Die technischen und organisatorischen Fragen sind oft einfacher zu lösen als die menschlichen. Transparente Kommunikation und faire Prozesse sind hier entscheidend“, so Herschbach.  


    Warum die Basis stimmt

    Ein Zusammenschluss dieser Größenordnung funktioniert nur, wenn die Chemie stimmt. Hier haben Bendorf und Neuwied einen entscheidenden Vorteil: Sie kooperieren bereits seit zehn Jahren in der Wasserversorgung.

    Diese Zusammenarbeit erfolgt nach Angaben der Verantwortlichen fair, offen und mit gegenseitigem Respekt. Herschbach und Schneider betonen, dass dies eine gute Grundlage ist, die auch für die künftige gemeinsame AöR gelten soll.

    Das ist mehr als eine Floskel. Vertrauen ist bei interkommunalen Kooperationen der entscheidende Erfolgsfaktor. Beide Seiten kennen sich, haben gemeinsame Projekte erfolgreich umgesetzt und wissen, wie der Partner tickt. Das reduziert Unsicherheiten und beschleunigt Entscheidungsprozesse.

    Dieses Vertrauen haben Verwaltungsrat und Werkausschuss bereits bekräftigt. Am 8. Juni bestätigten beide bei einer gemeinsamen Sitzung den geplanten Weg. 


    Ein Modell mit Signalwirkung

    Es geht um mehr als eine lokale Entscheidung. Der Weg zeigt, wie kommunale Dienstleister auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren können.

    Die Botschaft ist klar: Doppelstrukturen sind nicht mehr zeitgemäß. Interkommunale Kooperation ist kein Verlust an Autonomie, sondern ein Gewinn an Leistungsfähigkeit. Benefit für die Bürgerinnen und Bürger: Die Gebühren laufen nicht aus dem Ruder.

    Drei Faktoren machen dieses Projekt besonders aussichtsreich:

    1. Klare wirtschaftliche Notwendigkeit: Es geht nicht um abstrakte Effizienzgewinne, sondern um konkrete Kostenentlastung für die Bürger.

    2. Solide Vorbereitung: Die rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen wurden gründlich geprüft.

    3. Vertrauensbasis: Die langjährige Zusammenarbeit in der Wasserversorgung hat gezeigt, dass die Kooperation funktioniert.

    Der Weg ist richtig. Und er könnte Signalwirkung haben: Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Der Zusammenschluss von Bendorf und Neuwied zeigt, dass interkommunale Kooperation eine tragfähige Antwort sein kann.

    Bis zum 1. Januar 2027 ist noch Zeit. Zeit, die Detailfragen zu klären, die Mitarbeiter mitzunehmen und die Weichen für einen erfolgreichen Start zu stellen. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur ein leistungsstarker kommunaler Betrieb, sondern auch ein Modell, von dem andere lernen können.


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